19. März 2014 - Medienmitteilung der nationalen 'Verbandsübergreifenden Arbeitsgruppe Prävention'

Trotz Gerichtsprozess im Missbrauchsfall H.S. bleiben bei den Opfern die Folgen des Missbrauchs ein Leben lang spürbar
 Die Arbeitsgruppe Prävention fordert vom Bund die Schaffung einer nationalen Anlaufstelle für sexuelle Übergriffe

19. März 2014

BERN. Die nationale ‘Verbandsübergreifende Arbeitsgruppe Prävention’ ist erleichtert, dass sich der Sozialtherapeut H.S. nun vor Gericht verantworten muss. Gleichzeitig bedauert sie, dass der Sozialtherapeut wegen der Verjährung nicht für alle Übergriffe zur Rechenschaft gezogen werden kann. Die vielen Opfer werden ihr Leben lang unter den Folgen ihres Missbrauchs leiden. Die Arbeitsgruppe fordert den Bund auf, eine nationale Anlaufstelle für sexuelle Übergriffe zu schaffen.

Die nationale ‘Verbandsübergreifende Arbeitsgruppe Prävention’ ist erleichtert, dass sich der Sozialtherapeut H.S. nun vor Gericht verantworten muss. Sie bedauert jedoch, dass H.S. aus Gründen der Verjährung nicht für alle Übergriffe zur Rechenschaft gezogen werden kann. Von 114 Fällen kommen nur 33 vor Gericht. Dadurch erhält nur ein Teil der Opfer die Gewissheit, dass H.S. für die an ihnen verübten Übergriffe zumindest juristisch belangt wird. Klar ist, dass mit der Urteilsverkündung am Freitag das Leiden der Opfer nicht aufhört und unter den Missbrauch an ihnen nie ein Schlussstrich gezogen werden kann. Die Folgen eines Missbrauchs bleiben ein Leben lang spürbar.

Bund soll eine nationale Anlaufstelle für sexuelle Übergriffe schaffen

Prävention ist eine Daueraufgabe. Diese betrifft nicht nur den Behinderten-, Betreuungs- und Pflegebereich: Die gesamte Gesellschaft und auch die Politik stehen in der Verantwortung. Die nationale Arbeitsgruppe Prävention fordert deshalb die Bundesbehörden auf, ergänzend zu institutionsinternen und kantonalen Anlaufstellen eine unabhängige nationale Anlaufstelle für sexuelle Übergriffe zu schaffen. Die Schweiz hat heute einen nationalen Datenschützer und einen nationalen Konsumentenschützer, doch eine nationale Anlaufstelle für sexuellen Missbrauch fehlt noch immer. Es ist höchste Zeit, dass auch der Bund hinschaut, das schwierige Thema Missbrauch aufgreift undhandelt. Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Angehörige und Mitarbeitende sind darauf angewiesen, dass sie bei Missbrauchsvermutungen spezialisierte Hilfe und fachliche Unterstützung erhalten. Diese kann eine nationale Anlaufstelle mit erfahrenen Fachleuten bieten.

Prävention ist ein Dauerthema

Für die nationale ‘Verbandsübergreifende Arbeitsgruppe Prävention’ ist klar: Einen Fall H.S. darf es nie mehr geben. Jedem Verdacht muss ohne Ausnahme nachgegangen werden: Bei Verdacht auf einen Übergriff oder Missbrauch gilt die absolute Null-Toleranz.
Die Arbeitsgruppe, welche 2011 kurz nach der Bekanntmachung des Falls H.S. gegründet wurde, wird ihre wichtige Sensibilisierungs- und Präventionsarbeit mit Nachdruck fortsetzen und sich in der Begleitung und Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen weiterhin für die Umsetzung der zehn Grundsätze der Charta Prävention (www.charta-praevention.ch) einsetzen.

Für Rückfragen:

Ueli Affolter, Leiter Arbeitsgruppe Prävention, Mobile 079 683 68 81

Informationen zur Charta unter: www.charta-praevention.ch