5. März 2015 - Medienmitteilung von INSOS zur Weiterentwicklung der IV

Jugendliche mit Beeinträchtigung brauchen eine echte Chance

26. Februar 2015

BERN. Im Rahmen der Weiterentwicklung der IV will der Bundesrat auch die Integration von Jugendlichen mit Beeinträchtigung fördern. INSOS Schweiz begrüsst dieses Umdenken des Bundes und befürwortet eine flexiblere Ausgestaltung der Eingliederungsmassnahmen. Gleichzeitig bekräftigt der Branchenverband nochmals seine Forderung, auch leistungsschwachen Jugendlichen den Zugang zur beruflichen Grundbildung zu gewährleisten.

Es gibt sie, die Erfolgsgeschichten von jungen Menschen mit Leistungs-
beeinträchtigungen, die im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen konnten. Doch es gibt noch nicht genug von ihnen. Deshalb begrüsst INSOS Schweiz die Absicht des Bundesrates, Kinder und Jugendliche mit Leistungsschwächen und Verhaltensauffälligkeiten sowie junge Versicherte mit psychischer Beeinträchtigung bei der Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt besser zu unterstützen. Der nationale Branchenverband wertet dieses Umdenken des Bundes auch als ein Resultat der intensiven Verhandlungen, welche INSOS mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) geführt hat. INSOS Schweiz ist erleichtert, dass die Weiterentwicklung der IV zu keiner erneuten Sparrunde führen soll.

Vereinfachter Zugang zur beruflichen Grundbildung

Für eine erfolgreiche berufliche Integration von jungen Menschen mit Leistungsschwächen ist zentral, dass

  • sie eine ausreichend fundierte, berufliche Grundbildung absolvieren können (IV-Anlehre oder Praktische Ausbildung PrA nach INSOS)
  • und dass der Übergang in den ersten Arbeitsmarkt kontinuierlich und langfristig begleitet wird. Das heisst: Individuelle Lösungen sowie ein flexibler Wechsel von Phasen mit und ohne Unterstützungsleistungen müssen möglich sein.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, die von INSOS Schweiz mitgetragen und begleitet wurde.

Der Bund ist jetzt aufgefordert, diesen Erkenntnissen mit konkreten Massnahmen und Verbesserungen Nachachtung zu verschaffen. Denn leistungsschwächere Jugendliche haben heute - seit dem IV-Rundschreiben 299 - keinen Zugang mehr zu einer zweijährigen beruflichen Grundbildung. Dies, weil ihre Chance auf einen integrierten Ausbildungs- resp. Arbeitsplatz sowie auf ein rentenreduzierendes Einkommen als zu tief eingeschätzt wird. Für INSOS Schweiz ist diese Selektion unhaltbar und widerspricht auch der von der Schweiz ratifizierten UNO-Behindertenrechtskonvention, die das Recht auf Bildung nennt. INSOS Schweiz stellt nun erfreut fest, dass das BSV hier nach den letzten Verhandlungen Hand zu konstruktiven Lösungen bietet.

Flexiblere Gestaltung der IV-Massnahmen

Die flexiblere Gestaltung der IV-Massnahmen ist ein langgefordertes Anliegen von INSOS Schweiz. Von den 165 Ausbildungsbetrieben, die Mitglied bei INSOS sind, bieten heute über 70 - zusammen mit Betrieben des ersten Arbeitsmarkts - integrative Ausbildungsplätze an (Supported Education). Erfolgreich ist dieser Ansatz aber nur, wenn auch nach Abschluss der Ausbildung eine professionelle Begleitung langfristig gewährleistet wird (Supported Employment). Zudem ist zentral, dass diese jungen Menschen bei Rückfällen in den geschützten Rahmen zurückkehren können ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

Bildung als wichtige Investition in die Entwicklung

Die berufliche Bildung ist eine wichtige Investition für die weitere berufliche und persönliche Entwicklung und Selbstständigkeit. Deshalb wird sich INSOS Schweiz dafür einsetzen, dass die Weiterentwicklung der IV auch dazu führt, dass möglichst viele Jugendliche mit Leistungs-schwächen eine echte Chance auf berufliche Integration erhalten.

Kontakt

Peter Saxenhofer, Geschäftsführer INSOS Schweiz, Tel. 079 643 34 15