23. Juni 2011 - Medienmitteilung von INSOS Schweiz

INSOS-Delegiertenversammlung: Eintritt ins AHV-Alter darf für Menschen mit Behinderung nicht zum Handicap werden

23. Juni 2011

BERN. Menschen mit Behinderung werden immer älter und erreichen immer öfter das Pensionsalter. Ebenso wie Menschen ohne Behinderung haben sie ein Recht darauf, ihr Leben auch im Alter möglichst autonom und selbstbestimmt zu führen. Die Delegierten von INSOS Schweiz fordern deshalb, dass Menschen mit Behinderung die Betreuungsangebote nach der Pensionierung (und dem Wechsel von der IV zur AHV) nicht entzogen werden dürfen und ihre Finanzierung sichergestellt werden muss. Nun sind Gesellschaft und Politik gefordert.

Menschen mit Behinderung werden wie die übrige Bevölkerung zunehmend älter. Viele erreichen heute das Pensionsalter und erhalten von da an keine IV-Rente mehr, sondern eine AHV-Rente. Eine bestehende Behinderung wird nach der Pensionierung jedoch nicht einfach vom «Alter» abgelöst, sondern die Herausforderung Alter kommt zusätzlich hinzu. Dies bedingt im Bereich Betreuung und Pflege spezifische Angebote, die auf die besonderen Bedürfnisse von älteren Menschen mit Behinderung ausgerichtet sind.

Die Angebote für Menschen mit Behinderung im Alter müssen weiter finanziert werden
Die Delegierten von INSOS Schweiz fordern, dass Menschen mit Behinderung nach dem Wechsel von der IV zur AHV die bisherigen Angebote im Bereich Wohnen oder Tagesstruktur aus Spargründen nicht entzogen werden dürfen. Sie fordern weiter, dass die Finanzierung dieser Angebote sichergestellt werden muss. An ihrer Delegiertenversammlung haben sie ein entsprechendes Positionspapier (s. Beilage) einstimmig gutgeheissen.

Menschen ohne Behinderung können nach der Pensionierung ihr Leben weiterhin autonom und selbstbestimmt gestalten. Für sie ist dies eine Selbstverständlichkeit. Auch Menschen mit Behinderung haben darauf ein Anrecht. Sie sollen deshalb, wenn sie das möchten, so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld leben respektive ihre Wohnumgebung selber wählen können. Gesellschaft und Politik sind gefordert, entsprechende Betreuungs- und Pflegeangebote zu gewährleisten – unabhängig davon, für welchen Wohnort sich ein Mensch mit Behinderung entscheidet. Dafür müssen die rechtlichen Grundlagen (nationale, kantonale und kommunale Gesetze wie IVG, AHVG, KVG oder ELG) koordiniert und harmonisiert werden.

Lehre, Forschung, Bildung: Nachholbedarf beim Thema Behinderung und Alter
Auch im Bereich Lehre, Forschung und Bildung besteht Nachholbedarf: Diese Bereiche müssen konkrete Aufträge sowie Gelder erhalten, damit gesichertes Fachwissen zum Thema Behinderung und Alter gesammelt und gezielt in die Praxis sowie in die Ausbildung von Fachpersonal eingebracht werden kann. Da heute Statistiken zum Thema fehlen, braucht es zudem die Erhebung aussagekräftiger Daten für die ganze Schweiz.