7. April 2016 - Medienmitteilung von INSOS Schweiz und der SVBL

Bessere Karten für die Integration in die Arbeitswelt
 Der neue Individuelle Kompetenznachweis (IKN) in der Logistik soll Jugendlichen mit Beeinträchtigung den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt erleichtern

07. April 2016

BERN. Der Durchbruch ist geglückt: Heute stellten INSOS Schweiz und die Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik (SVBL) den neuen Individuellen Kompetenznachweis (IKN) für die Logistikbranche vor, der ab August 2016 in der Praxis getestet wird. Der IKN soll die Integration von jungen Menschen mit Beeinträchtigung in den ersten Arbeitsmarkt vereinfachen und mehr Transparenz für die Arbeitgeber schaffen.

Wer in der Schweiz eine Lern- oder Leistungsbeeinträchtigung hat und eine zweijährige Praktische Ausbildung (PrA) absolviert, findet oft nur mit grosser Mühe und mit viel Glück einen Job im ersten Arbeitsmarkt. Annina Studer, Leiterin Bereich Arbeitswelt bei INSOS Schweiz, bedauert dies: „Diese Jugendlichen erwerben während ihrer PrA spezifische Kompetenzen, die in der Arbeitswelt mit Sicherheit gefragt sind.“

„Der IKN wird die berufliche Integration erleichtern“

INSOS Schweiz hat sich deshalb die bessere Anerkennung der Fähigkeiten von PrA-Absolventinnen und Absolventen zum Ziel gesetzt. Und kann nun erste Erfolge verbuchen: Heute hat der Branchenverband zusammen mit der Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik (SVBL) den neuen Individuellen Kompetenznachweis (IKN) für den/die Praktiker/in Logistik PrA vorgestellt, der ab August 2016 in der Praxis getestet wird. „Es ist grossartig, dass die Logistikbranche das Potenzial von Menschen mit Lern- oder Leistungsbeeinträchtigung erkannt hat und bereit ist, den IKN nach der Evaluation einzuführen“, freut sich Annina Studer.

Der IKN orientiert sich am EBA-Qualifikationsprofil und bescheinigt den PrA-Absolventinnen und -Absolventen, welche konkreten Handlungskompetenzen sie in ihrer Ausbildung erworben haben. „Damit werden die individuellen Kompetenzen von PrA-Lernenden für die Arbeitgeber besser sichtbar, was ihre berufliche Integration erleichtern wird“, ist Annina Studer überzeugt. Für sie ist klar: „Je besser die PrA in der Arbeitswelt verankert und anerkannt ist, umso leichter finden PrA-Absolventen eine Arbeitsstelle.“

Grössere Durchlässigkeit im Berufsbildungssystem

Das sieht auch Beat Duerler, Präsident der SVBL, so: „Mit einem anerkannten Dokument hat man auf dem Arbeitsmarkt die besseren Karten.“ Auch die Durchlässigkeit im Bildungssystem werde dadurch verbessert. „Wir sind sehr stolz, dass wir in der Logistik auf jedem Niveau, von der PrA bis zur Fachhochschule, eine Ausbildung anbieten können“, betont er. Nun gilt es laut Duerler, die Praktische Ausbildung und den Individuellen Kompetenznachweis in der Logistikbranche bekannter zu machen. Der heutige Kick-off-Anlass im Ausbildungszentrum des Berufsverbandes SBVL in Rupperswil war der erste Schritt dazu.

Bessere Chancen auch bei den Schreiner/innen und im kaufmännischen Bereich

Der Grundstein für den Durchbruch des IKN wurde 2011 gelegt, als INSOS Schweiz zusammen mit der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK) und dem Schweizerischen Gewerbeverband (SGV) das Projekt «Individueller Kompetenznachweis» initiierte. Mit weiteren Projektpartnern sowie einer Steuergruppe, der auch Berufsverbände angehören, ist das Projekt breit abgestützt. Ziel ist es, dass EBA-Lernende, welche die Abschlussprüfung nicht bestehen, sowie Absolventen der zweijährigen PrA ein Dokument vorweisen können, welches von der jeweiligen OdA und der SBBK anerkannt wird. Deshalb liegt der Entscheid über die Einführung eines branchenspezifischen IKN sowie dessen Ausgestaltung bei den OdA.
Individuelle Kompetenznachweise werden dieses Jahr auch in der Schreinereibranche und im kaufmännischen Bereich in der Praxis erprobt. „Nach einer Evaluation dieser Pilotbranchen“, so Annina Studer, „wollen wir weitere Branchen für den Kompetenznachweis auf Stufe PrA gewinnen.“

Kontakt

  • Annina Studer, Leiterin Bereich Arbeitswelt bei INSOS Schweiz, Tel. 078 840 40 73
  • Beat Duerler, Präsident SVBL, Tel. 058 258 36 00 / 079 400 86 90

Mehr über die beiden Verbände:

Die Schweizerische Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik (SVBL) als Organisation der Arbeitswelt (OdA) setzt sich seit über 25 Jahren für den Beruf Logistiker/-in in der ganzen Schweiz ein. Der Verein bietet aber auch berufliche Weiterbildungen in unterschiedlichen Bereichen und Möglichkeiten der Fortbildung mit Abschlüssen bis zum eidgenössischen Diplom an.
Die SVBL ist auch die führende Anbieterin von Ausbildungen für Flurförder- und Hebefahrzeuge. Die Kurse werden in den 8 SVBL Ausbildungszentren in der ganzen Schweiz in Deutsch, Französisch und Italienisch durchgeführt.

INSOS Schweiz vertritt als nationaler Branchenverband die Interessen von 800 Institutionen für Menschen mit Behinderung. 60 000 Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen finden dort Arbeit, eine Tagesstruktur sowie ein Zuhause und erhalten die Möglichkeit, eine Integrationsmassnahme oder eine berufliche Massnahme zu absolvieren. INSOS Schweiz setzt sich für optimale Rahmenbedingungen ein, die den Institutionen eine professionelle Begleitung und Förderung der Menschen mit Behinderung sowie ein bedarfsorientiertes Dienstleistungsangebot erlauben. Der Verband engagiert sich aktiv in der Bildung des Fachpersonals, leistet wichtige Facharbeit und sorgt als Informations- und Vernetzungsplattform für einen gezielten Austausch und Transfer von Fachwissen.