27. August 2015 - Medienmitteilung von INSOS Schweiz zum Kongress

Behinderteninstitutionen setzen die Ziele der UN-BRK mit partizipativen und inklusiven Projekten um

27. August 2015

FLIMS. Noch vor zwanzig Jahren wurde in vielen Behinderteninstitutionen für die begleiteten Menschen gedacht. Heute arbeiten immer mehr Institutionen mit den Menschen zusammen und setzen auf partizipative und inklusive Angebote und Strukturen, in denen diese eigenständig leben, mitwirken, mitentscheiden und vermehrt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Zukunftsgerichtete Projekte waren auch Thema am INSOS-Kongress 2015 in Flims, an dem 250 Führungskräfte aus der ganzen Schweiz teilnahmen und der heute zu Ende ging.

Edith W. liebt das Stadtleben. Und sie mag den Kontakt zu anderen Menschen. Seit Juni 2015 wohnt die Frau mit kognitiver Beeinträchtigung weitgehend selbstständig in einer Wohnung auf dem Hunziker Areal in Zürich – zusammen mit über 1000 anderen Quartierbewohnerinnen und –bewohnern. Edith W. ist zufrieden: Ihr gefällt ihr neues Leben mitten in der Stadt, ausserhalb der traditionellen Heimstrukturen
(> hier ihre Geschichte, ab Seite 5).
Gemietet hat die Wohnung die Stiftung Züriwerk, zusammen mit 13 weiteren Wohnungen, in denen heute 40 Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung mit unterschiedlichen Begleitangeboten leben. Mit diesem inklusiven Projekt greift Züriwerk die zentralen Ziele der UNO-Behindertenrechtskonvention, nämlich Inklusion, Selbstbestimmung und Teilhabe, gezielt auf. Damit ist die Stiftung nicht alleine: Wie am INSOS-Kongress 2015 deutlich wurde, setzen immer mehr Institutionen die Ziele der UN-BRK im Rahmen von vielfältigen partizipativen oder inklusiven Projekten schrittweise um (> zu den Kongress-Referaten;
> zum INSOS-Magazin mit Beispielen guter Praxis).

Partizipation, Teilhabe und Selbstbestimmung in den Institutionen

Ein Grossteil der Schweizer Institutionen macht sich heute für die Partizipation, Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigung sowie für bedarfsorientierte, individualisierte Dienstleistungsangebote stark – beispielsweise indem sie

  • dezentrale Wohnformen und individuell angepasste Unterstützungsangebote anbieten,
  • Strukturen und Prozesse für Mitsprache, Mitwirkung und Selbstbestimmung in Wohnheimen, Tagesstätten und Werkstätten schaffen,
  • Betriebsräte mit ausschliesslich Menschen mit Beeinträchtigung ins Leben rufen,
  • gezielt Ausbildungs- und Arbeitsplätze im ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit Beeinträchtigung suchen und sie auf diesem Weg begleiten (Supported Education, Supported Employment),
  • Menschen mit Beeinträchtigung eine inklusive Weiterbildung ermöglichen (z.B. in Persönliche Zukunftsplanung)
  • und bedarfsorientiert nach Möglichkeiten suchen, um die Menschen am gesellschaftlichen Leben z.B. in der Gemeinde teilhaben zu lassen.

„Kein Wunschtraum“

„Die Institutionen sind in Sachen Partizipation und Teilhabe gut unterwegs“, stellt Marianne Streiff, Präsidentin von INSOS Schweiz und Nationalrätin, am INSOS-Kongress 2015 in Flims fest. Sie wünsche sich jedoch nicht nur Institutionen, die inklusiv denken und handeln, sondern auch eine Gesellschaft, „welche die Vielfalt schätzt und jeden Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, als wichtiges, wertvolles Mitglied betrachtet“.
„Eine solche Gesellschaft darf kein Wunschtraum bleiben“, betont die INSOS-Präsidentin. Das Ziel einer inklusiven Gesellschaft erfordere zum einen kontinuierliche Sensibilisierungsarbeit und offene Gesellschaftsmitglieder. Wichtig sei zum andern, dass Menschen mit Beeinträchtigung lernten, selbstbestimmt, selbstbewusst und selbstverständlich aufzutreten und für ihre Rechte einzustehen. „Hier leisten die Institutionen schon heute wichtige Arbeit − indem sie die Menschen auf ihrem Weg der Emanzipation unterstützen und begleiten und indem sie gezielt Strukturen schaffen, die Partizipation und Selbstbestimmung ermöglichen.“

Kontakt

Marianne Streiff-Feller, Nationalrätin, Präsidentin INSOS Schweiz, Tel. 079 664 74 57
Peter Saxenhofer, Geschäftsführer INSOS Schweiz, Tel. 079 643 34 15