Replik auf NZZ-Artikel «Es gibt zu viele Heimplätze»

30. August 2016

Im Artikel «Es gibt zu viele Heimplätze» (NZZ, 29.8.2016) sprechen sich zwei Vertreter des Vereins selbstbestimmung.ch unter anderem dafür aus, dass Menschen mit Behinderung „selbstbestimmter leben“ können und lernen sollen, „selber zu denken, ihre eigene Meinung zu äussern“. INSOS Schweiz gibt den beiden Selbstvertretern in jeder Hinsicht recht: Selbstbestimmung, Teilhabe und Empowerment sind in der Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigung zentrale Ziele. Betroffene Menschen sollen für sich selber sprechen und ihre eigenen Entscheidungen treffen können – ganz nach dem Motto: «Nicht über uns ohne uns».

INSOS Schweiz und seine Mitgliedsinstitutionen setzen sich dafür ein, dass die politische, wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung verwirklicht und Selbstbestimmung auch im Rahmen institutioneller Angebote gelebt wird. Die ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention ist für INSOS Schweiz wie für seine Mitglieder ein Leitstern, nach dem wir unsere Arbeit resp. unsere Leistungen ausrichten.

Nicht Subventionen, sondern Leistungsvertrag

Stossend ist, dass die beiden Selbstvertreter INSOS vorwerfen, der Verband würde von staatlichen Subventionen leben. INSOS erhält keine Subventionen. Vielmehr hat der Verband, der grossmehrheitlich durch Mitgliederbeiträge finanziert ist, mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) einen Leistungsvertrag abgeschlossen, über den er pro Jahr 0,67 Mio. Fr. erhält. 70% dieser Gelder werden direkt an Institutionen weitergeleitet, die Leistungen im Bereich des begleiteten Wohnens erbringen –eine Wohnform, die eine grösstmögliche Individualität und Selbstbestimmung im Wohnen erlaubt. Die übrigen 30% müssen gemäss Kreisschreiben des BSV für Leistungen verwendet werden, von welchen Menschen mit Behinderung direkt profitieren können (z.B. Initiierung der Praktischen Ausbildung oder Erarbeitung des ABU-Lehrmittels für junge Lernende). Es werden somit keine BSV-Gelder eingesetzt, um die Verbandsarbeit zu finanzieren.

Ziel der Arbeit von INSOS und seiner Mitglieder ist nicht der Erhalt der Institutionen, sondern die professionelle, bedarfsorientierte Begleitung sowie die Selbstbestimmung und Teilhabe der Menschen mit Behinderung – solange dafür ein Bedarf besteht. Es braucht deshalb – anders als im Titel zum Interview postuliert – auch in Zukunft ausreichend „Heimplätze“, damit Menschen, die diese Form der Unterstützung brauchen, diese auch bekommen.