Fachkräftesituation: Es besteht Handlungsbedarf

23. Januar 2017

Die soeben publizierte BSV-Studie „Beschäftigung und Produktivität im Sozialbereich“ greift ein wichtiges Thema auf: den stark wachsenden Bedarf an Fachkräften in unserer Branche. Die BSV-Studie wie auch die Fachkräftestudie von Savoirsocial (2016) zeigen: Es braucht das Engagement aller Beteiligten, damit auch in Zukunft genügend gut qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen.  

Die BSV-Studie wie auch die Fachkräfte-Studie von SAVOIRSOCIAL sprechen Klartext: Aufgrund der demografischen Entwicklung und des Strukturwandels wird der Bedarf an gut ausgebildetem Fachpersonal im Sozialbereich in den nächsten Jahren stark anwachsen. Laut Fachkräfte-Studie, die differenziertere Schlussfolgerungen für die Institutionen für Menschen mit Behinderung erlaubt als die BSV-Studie, schwankt der Bedarf an zusätzlichen Fachkräften je nach angestrebtem Professionalisierungsgrad zwischen 8200 und 11‘000 Personen im unserer Branche. Insbesondere die Nachfrage nach Fachfrauen/Fachmännern Betreuung, SozialpädagogInnen, ArbeitsagogInnen und sozialpädagogischen WerkstattleiterInnen wird zunehmen.

Es besteht Handlungsbedarf

Beide Studien kommen zum Schluss: Es besteht Handlungsbedarf. Die Fachkräfte-Studie von SAVOIRSOCIAL zeigt, dass aktuell rund 50% des Personals über keine formale Ausbildung verfügt. Zudem gibt gut die Hälfte der Institutionen an, Schwierigkeiten zu haben, ausgebildetes Personal zu finden. Ferner stehen den Institutionen aufgrund von Budgetkürzungen immer weniger Mittel zu Verfügung, um Fachpersonal mit tertiären Berufsabschlüssen anzustellen. Dabei ist gut qualifiziertes Fachpersonal insbesondere für die Begleitung von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf zentral.

Koordination ist zentral

Wie die BSV-Studie kommt auch INSOS Schweiz zum Schluss, dass weniger Bürokratie und eine koordinierte Planung der Unterstützungsangebote unabdingbar sind. Leider wird gerade Letzterem noch immer zu wenig Beachtung geschenkt. So hat der Bund letztes Jahr einen Bericht zur Zukunft der Psychiatrie in der Schweiz erarbeitet, ohne die Leistungen zu berücksichtigen, welche die Institutionen des Sozialbereichs für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung erbringen. INSOS-Präsidentin Marianne Streiff hat im Nationalrat mit einer Interpellation auf diesen Mangel hingewiesen und INSOS Schweiz hat gegenüber dem BAG kritisch Stellung genommen.

Alle Beteiligten sind gefordert

Damit unsere Branche auch in Zukunft genügend gut qualifiziertes Fachpersonal rekrutieren kann, braucht es aus Sicht von INSOS Schweiz ein gutes Berufsmarketing, genügend Ausbildungsplätze, eine sorgfältige Analyse der Fluktuationsrate, geeignete Angebote zur Nach- und Höherqualifizierung sowie die Bereitschaft der nationalen und kantonalen Politik, ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

In verschiedenen Themen ist INSOS bereits aktiv geworden. So hat der Verband beispielsweise die Leitung des Projekts neue Berufsprüfung „Spezialistin/Spezialist für die Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigungen“ übernommen, die der Höherqualifizierung des Personals dient. Die Berufsprüfung zielt darauf ab, Fachpersonen zu befähigen, Menschen mit Beeinträchtigung auch in anspruchsvollen Situationen zu begleiten.

Zudem engagiert sich INSOS Schweiz im Auftrag von SAVOIRSOCIAL bei OdA Santé für die Erarbeitung einer Berufsprüfung und höheren Fachprüfung für die Begleitung von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Ferner arbeitet INSOS Schweiz im Rahmen von SAVOIRSOCIAL an einer Strategie für ein erfolgreiches Berufsmarketing mit.

 

BSV-Studie „Beschäftigung und Produktivität im Sozialbereich“

Fachkräfte-Studie SAVOIRSOCIAL